Auszüge Gutachten von Regio Consult

 

Stellungnahme zum LBP, AFB und zur FFH-VP, B 48n Klingenmünster, 4.3.13

 

Immissionen in Form von Lärm treten an Straßen in Abhängigkeit von Verkehrsmenge, LKW-Anteil, Trassenlage, zulässiger Geschwindigkeit und Fahrbahnoberfläche auf. Lärmimmissionen nehmen mit zunehmender Entfernung von der Straße ab. Durch den geplanten 2-streifigen Neubau der B 48n kommt es zur Verstärkung der Lärmimmissionen. Die Verkehrsbelastung von maximal 7.200 Kfz/24 (Prognose 2025) bewirkt eine Erhöhung des Lärmpegels im Trassenbereich von mindestens 10-20 dB(A) auf 65 dB(A) tags bzw. 59 dB(A) nachts im Abstand von 25m zur Trasse.

Entgegen der Darstellung des Gutachters ist davon auszugehen, dass wesentlich höhere Lärmimmissionen auftreten werden, da nach Auswertung der Straßenverkehrszählung 2010 für den Planungsraum auf der B 48 von LKW-Anteilen (> 3,5t) von 3,8-5 % auszugehen ist, sodass die für den Prognosefall genannten LKW-Werte (> 3,5t) von 4,2-4,6 % unrealistisch niedrig sind, da sie bereits heute erreicht bzw. an der L 508 sogar übertroffen werden (vgl. Auswertung der SVZ 2005 und 2010). Aufgrund der vorgesehenen Fernverkehrsfunktion der B 48n zwischen Weißenburg (Frankreich) und Landau/Pirmasens bzw. Kaiserslautern (Einstufung in A II bzw. LS II nach RIN) ist bei Realisierung der Ortsumgehungskette der B38 von einer deutlichen Zunahme des LKW-Verkehrs auszugehen. Das könnte dazu führen, dass sich der LKW-Anteil deutlich erhöht. Die Emissions- und Immissionsprognosen für Mensch und Tier sind somit stark mängelbehaftet und hätten der Planung nicht zu Grunde gelegt werden dürfen. Es ist davon auszugehen, dass es insgesamt zu um einen bis 1-2 dB(A) höheren Schallpegel kommen kann, als vom Gutachter erwartet.

Entgegen der Darstellung des Gutachters ist davon auszugehen, dass wesentlich höhere Lärmimmissionen auftreten werden. Da in der Verkehrsuntersuchung von ModusConsult keine entsprechenden Daten erhoben wurden, müssen für die LKW-Anteile die Standardwerte

von Tabelle 3 der RLS-90 angesetzt werden. Eine Kontrollrechnung zu den Emissionspegeln ergab, dass sich dadurch die Emissionspegel um 4,8 dB(A) tags und 4,5 dB(A) nachts erhöhen.

 

2.3.4    Auswirkungen auf das Kleinklima

Aufgrund der Dammlagen kommt es nicht nur zu erheblichen optischen Störeffekten, sondern vor allem zu Auswirkungen auf das Kleinklima.

So hat der Damm nördlich des Klingbachs eine Länge von knapp 350m und eine maximale Höhe von bis zu 6m. Südlich des Klingbachs soll ein Damm mit einer Höhe von zum Teil über 7m und einer Länge von etwa 130m entstehen. Bei bau-km 2+050 bis 2+425 entsteht ein weiterer Damm mit einer Höhe von über 7m.[1] Nördlich und südlich des Horbachs sind ebenfalls Dammlagen geplant (nördlich: bau-km 1+050 bis 1+350, südlich: bau-km 0+900 bis 0+960, 0+800 bis 0+850). Am Bauanfang ist ebenfalls ein Damm von bau-km 0+480 bis 0+640 geplant. Am Bauende liegt ein Damm unterhalb der Pfalzklinik ab bau-km 4+000 bis 4+325 mit einer Höhe von bis zu 6m.

LOHMEYER bestätigt, dass infolge der zum Teil bis zu 7m hohen Dammbauwerke (vgl. Tab. 3), die Kaltluftströmungen besonders im Klingbachtal beeinflusst werden. In den Kaltluftstaubereichen kann deshalb eine erhöhte Frostneigung, die sich vor allem auf empfindliche Kulturen, wie Obst- und Weinbau auswirkt, nicht ausgeschlossen werden.[2]

In Abbildung 1 ist zu erkennen, dass es im Bereich des Horbachs und des Klingenbachs zu erheblichen Abnahmen der Volumenstromdichte bei ausgeprägter Kaltluftbildung kommt. Durch die Staubildung kommt es bodennah zur Verharrung der Kaltluft und entsprechend zu einer höheren Gefährdung durch Frost.

Da nach Auskunft der Winzer bereits heute Frostschäden im Bereich der Weinbauflächen auftreten, zum Beispiel nördlich des Klingbachs im Hangbereich (Hangabwinde!) und dort die Geländestruktur massiv verändert wird, kommt es zukünftig zu einer deutlich erhöhten Gefährdung durch Frost.

Tabelle 1: Dammlagen an der Ortsumfahrung Klingenmünster

Bereich

Bau-km

Länge in m

max. Höhe in m

Bauende

4+000 bis 4+325

325

6

nördlich Klingenbach

3+050 bis 3+400

350

6

südlich Klingenbach

2+700 bis 2+830

130

7

südlich Klingenbach

2+050 bis 2+425

375

7

nördlich Horbach

1+050 bis 1+350

300

7

südlich Horbach

0+900 bis 0+960

60

5

südlich Horbach

0+800 bis 0+850

50

7

Bauanfang

0+480 bis 0+640

160

5

Quelle: B 48 – Umgehung Klingenmünster, Unterlage 4, Blatt 1: Übersichtshöhenplan

Sowohl die südlich der Trasse liegenden Anströmbereiche als auch die Leebereiche nördlich sind erhöhter Frostgefahr ausgesetzt (vgl. Abb. 1). Es kann auch nicht ausgeschlossen werden, dass es kleinräumig oberhalb der vorgesehenen Dammaufschüttungen zu Kaltluftstagnationen kommt, die bodennah verharren und weiter auskühlen.[3] In diesen Bereichen ist eine erhöhte Frostgefährdung zu erwarten.

Nicht betrachtet wurden in den Planfeststellungsunterlagen die Auswirkungen der veränderten Belüftung und Temperaturveränderungen sowie das daraus resultierende erhöhte Risiko für Pilz- und Schädlingsbefall. Vor diesem Hintergrund sind die Auswirkungen auf die Ertragssituation der Obst- und Weinbauern zu ermitteln. Dabei ist es von besonderer Bedeutung, ob der Obst- und Weinbau nach „Bio-Kriterien“ erfolgt, da dann nur ein eingeschränkter Einsatz an Pflanzenschutzmitteln möglich ist und deshalb die Auswirkungen auf den Ertrag höher sein können.

Ebenfalls sind die Auswirkungen auf den Obst- und Weinbau durch Schadstoffeintrag zu untersuchen.

 

 

 

 

 

Abbildung 1: Abnahme der Volumenstromdichte bei ausgeprägter Kaltluftbildung im Planzustand gegenüber dem Istzustand

Zusammenfassung

Lokalklimatische Auswirkungen

LOHMEYER bestätigt, dass infolge der zum Teil bis zu 7m hohen Dammbauwerke, die Kaltluftströmungen besonders im Klingbachtal beeinflusst werden. In den Kaltluftstaubereichen kann deshalb eine erhöhte Frostneigung, die sich vor allem auf empfindliche Kulturen, wie Obst- und Weinbau auswirkt, nicht ausgeschlossen werden.Es kann auch nicht ausgeschlossen werden, dass es kleinräumig oberhalb der vorgesehenen Dammaufschüttungen zu Kaltluftstagnationen kommt, die bodennah verharren und weiter auskühlen. In diesen Bereichen ist eine erhöhte Frostgefährdung zu erwarten.Nicht betrachtet wurden in den Planfeststellungsunterlagen die Auswirkungen der veränderten Belüftung und Temperaturveränderungen sowie das daraus resultierende erhöhte Risiko für Pilz- und Schädlingsbefall. Vor diesem Hintergrund sind die Auswirkungen auf die Ertragssituation der Obst- und Weinbauern zu ermitteln.Dabei ist es von besonderer Bedeutung, ob Obst- und Weinbau nach „Bio-Kriterien“ erfolgt, da dann nur ein beschränkter Einsatz an Pflanzenschutzmitteln möglich ist und deshalb die Auswirkungen auf den Ertrag höher sein können.Ebenfalls sind die Auswirkungen auf den Obst- und Weinbau durch Schadstoffeintrag zu untersuchen.

 

Hydrogeologie und Baugrund

Da die ausgelegten Planunterlagen weder ein Baugrundgutachten noch ein hydrogeologisches Gutachten zur Beurteilung des Eingriffes aus umweltfachlicher Sicht beinhalten, liegt hier ein Ermittlungsdefizit nach dem UVP-Gesetz vor. Danach sind die Umweltauswirkungen unter Berücksichtigung des Weinbaus zu ermitteln, zu beschreiben und zu bewerten. Dies ist bislang für diese Teilgebiete nicht erfolgt.

Landschaftsbild

Die Blickbeziehungen von der Burg Landeck in Richtung Westen werden massiv gestört. Im LBP wird eingeräumt, dass es zu einer bedeutsamen Verringerung der Landschaftsbildqualität durch Verlust lokaler Landschaftsbildensembles mit besonderer landschaftsästhetischer Funktion kommt. Wegebeziehungen im landwirtschaftlichen Netz werden unterbrochen, der Radweg entlang des Klingbachs (Deutsche Alleenstraße) wird geschnitten. Eine Quantifizierung des Verlustes ist nicht erfolgt, sodass auch keine naturschutzrechtliche Bilanzierung des Eingriffes erfolgen konnte.Die Beeinträchtigung des räumlichen Landschaftsbildes und der landschaftsgebundenen Erholung entlang der touristisch bedeutsamen Deutschen Weinstraße ist umfassend, sie betrifft vor allem den Bereich von 250-1.000m und den Fernbereich (bis 2 km) aus. Die Breite der Trasse bewegt sich zwischen 20 und 50m. Ebenso beeinträchtigt werden die örtlichen Ensembles im Nahbereich bis 250m.Die Dammlagen haben erheblichen Schadenscharakter für das Schutzgut Landschaftsbild. So der Damm nördlich des Klingbachs mit einer Länge von knapp 350m und einer maximale Höhe von bis zu 6m. Südlich des Klingbachs soll ein Damm mit einer Höhe von zum Teil über 7m und einer Länge von etwa 130m entstehen. Nördlich und südlich des Horbachs sind ebenfalls Dammlagen geplant mit 300m und 110m Länge geplant. Am Bauanfang liegt eine Dammlage 160m Länge vor. Am Bauende liegt ein Damm in der Toplage des Weinanbaus unterhalb der Pfalzklinik ab bau-km 4+000 bis 4+325 mit einer Höhe von bis zu 6m.Diese massive Beeinträchtigung ist aus landschaftsökologischer Sicht nicht bewertet worden (u. a. Auswirkung auf Kaltluftbildung). Die Auswirkungen auf den Tourismus und den Weinbau, die in Wechselwirkung zueinander stehen sind nicht ermittelt worden, sodass eine abschließende Bewertung bis heute nicht möglich ist. Insgesamt ist daher von einem unvertretbar großen und irreparablen Eingriff in das Landschaftsbild auszugehen. Die Auswirkungen auf den Tourismus hat die Planung bisher nicht berücksichtigt.

RegioConsult. Verkehrs- und Umweltmanagement. Wulf Hahn & Dr. Ralf Hoppe GbR

 



[1]    Vgl. B 48 – Umgehung Klingenmünster, Übersichtshöhenplan, Unterlage 4, Blatt 1

[2]    Vgl. Lohmeyer (2012): B 48 – Umgehung Klingenmünster, Stellungnahme zu lokalklimatischen Auswirkungen, Unterlage 21, S. 8 und 11.

[3]    Vgl. King (1973): Untersuchungen über kleinräumige Änderungen des Kaltluftabflusses und der Frostgefährdung im Straßenbau, Berichte des deutschen Wetterdienstes, N. 130, Band 17: Dort ist der Kaltluftstau an quer zum Tal verlaufenden Hindernissen dokumentiert.